Unser Ultra in Athen

Seit knapp einer Woche weilt unser Ultraläufer Stefan Stu Thoms nun in Athen, um sich auf seinen sportlichen Jahres-Höhepunkt vorzubereiten: Am Freitag morgen um 7 Uhr wird der Spartathlon gestartet – traditionell am Fuße der Akropolis. Stu wird als Vorjahressieger und einer von 32 deutschen Läufern mit Startnummer 268 in der ersten Reihe stehen und sein Bestes geben. „Diesmal werde ich wohl nicht gewinnen“, meint er vor seinem großen Start in Griechenland. „Die Trauben hängen hoch!“ Die „Qualen“ über 246 km nonstop von Athen nach Sparta über Stock und Stein, belebte Straßen und 1200 m hohe Berge gelten als der härteste Test für Extremläufer aus aller Welt und werden daher als inoffizielle Weltmeisterschaft angesehen.
Gemeldet haben diesmal 332 Ultras, darunter 32 Frauen.

Mit leichten Läufen versucht sich Stu nun zu akklimatisieren und ein gutes Gefühl für seinen großen Wettkampf zu bekommen. „Es kribbelt doch mehr als bei meinen beiden ersten Starts. Trotz gleicher Rituale ist es diesmal anders“, bekennt der 46-jährige. Dennoch sieht er seinem Start gelassen entgegen und genießt das griechische Fluidum rund um den langen Gang zum König.
Wenn er „faul im Hotelzimmer rumliegt“, schreibt er Tagebuch.
Hier nun einige Auszüge:

Der dritte Tag, 21. September 2013
Einmal um die Akropolis herum gelaufen und nun liege ich schon wieder faul herum. Die Innenstadt ist übervoll. In den touristischen Ecken um die Einkaufsmeile Emou ist ein buntes Treiben zu beobachten. Menschen aller Couleur, Straßenmusiker, fliegende afrikanische Händler mit „Original“ Gucci, alte Frauen mit hässlichen Kunstrosen, unglaublich viele alte Steine – die Augen werden mit Bildern überflutet.
Nach einem Kännchen Filterkaffee in einer bequemen Couch unter freien Himmel ging es zum Fuß der Akropolis – dem Startplatz des Spartathlon. Hier treffe ich auf Annett Bahlcke und Herbert Ziefle zum Plausch und dem wichtigen Foto. Wir sind schon da!

Am hastigsten Platz nahmen wir unseren Lunch. Die Geräusche überlagerten sich, Tauben sahen uns beim Essen zu, die Kellner hasteten von Tisch zu Tisch. Wir brachen bald auf, um noch einmal an den schicken Läden vorbei zu streifen. Nach einer Verabredung für einen langen Walk morgen an der Küste entlang, trennten sich unsere Wege.
Im Hotel gab es ein kurzes Schläfchen, und dann diese Mail:
Dear Mr Thoms,
One of the top three TV channels of Greece,Antena tv,would like to have an interview with you about Spartathlon. So :
1. Are willing to do it?
2.If yes, they want to do it some time in Tuesday afternoon.Is it all right for you?
3.Where do you stay in Athens, so we can fix the appointment?
Friendly
Kostis Papadimitriou,member of the Board of Spartathlon
In diesen Zeiten wird ein Deutscher vom griechischen Fernsehen eingeladen. Unglaublich!!! Es sind die vielen deutschen Spartathlon-Teilnehmer, die auch dieses Rennen über 30 Jahre prägten und unsere Länder mehr als nur sportlich verbinden.
Ich geh noch schnell in einen Englisch-Kurs! 😉

Der vierte Tag, 22. Sptember 2013
Es ist Sonntag und Athen schläft. Es ist fast so, als wenn jemand den Stecker aus der Dose gezogen hätte. Nur wenige Autos befahren die Straßen. Die Gehsteige sind nahezu menschenleer.
Auf dem Programm steht der „Walk to Glyfada“. Es ist eine Mischung aus Training, Akklimatisierung und Stadtbummel. Der Weg führt dieses Jahr entlang der Bahnstrecke nach Piräus und von dort immer an der Küste bis nach Glyfada. Endstation ist der legendäre Eisladen, wo seit Jahren das deutsche Team einkehrt. Irgendwann auf dieser Strecke fangen mich Annett und Herbert ein, und wir gehen die restliche Meter gemeinsam. Beste Aussichten für einen schönen Sonntag bei viel zu kühlen 26°C.

Der Weg nach Glyfada
führte heute über Piräus. Es werden abwechslungsreiche Kilometer – am Ende 36 in fünfeinhalb Stunden. Start ist pünktlich 12 Uhr am Hotel Filoxenia in Athen. Zeitgleich machten sich Annett und Herbert auf. Irgendwo wollten wir uns an der Küste begegnen und dann gemeinsam dem Eis entgegen gehen.
Nach nur kurzer Zeit fand ich die Bahnstrecke nach Piräus. Leider war der Zug gerade weg. Nun gut, ich wollte ja auch ein bisschen Auslauf.
So ging es immer in der Nähe der Bahnstrecke entlang.

Und dann ich endlich am Hafen. Walkzeit 90 Minuten! Weiter ging es an schönen Plätzen vorbei.
Nach 2 Stunden folgte ich der kleinen Küstenstraße, die sich um die Buchten der unzähligen kleinen Häfen schlängelte …und völlig unerwartet trafen mich drei, wirklich genau 3 Regentropfen!
Es ging auf die dritte Stunde zu, und so langsam sollte ich das Spartathlon-Traumpaar treffen. Doch dann der Anruf. „Wir stehen am Hafen von Piräus!“ So haben wir uns an der Endhaltstelle der Tram neu verabredet, und die beiden dehnten den Begriff Training fast zum Zerreißen durch den Verzehr eines Wrap!!!
Auch nach unserem Zusammentreffen war die Trainingseinstellung zeitweise grenzwertig. So erlebte ich die neue Leichtigkeit des Ultragehens.

Nach dem Fototermin an der Krönungshalle 2012 ging es nun endlich zum verdienten Eisladen.
…und nach dem Eis noch die Trainingseinheit: Überqueren des Mount Parthenio (1215m).
Nach erfolgreichem Abstieg ist mir nun nicht mehr bange!

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