Sonntagsspaziergang – der Gang nach Glifada

Nach einem Ruhetag gab es Sonntag das etwas andere Training. Der Tag begann wie immer mit einem Frühstück von kurz nach sieben bis gegen halb zehn. Statt einer Zeitung gab es dazu Internet.

Gut gesättigt und den Rucksack gefüllt mit Keksen, zwei Bananen und drei Liter Wasser mit Ingwer ging es kurz nach zehn los. Das Ziel war der Badeort vor den Toren Athens, Glifada. Das Training bestand aus einem langen schnellen Spaziergang – in der Fachsprache Walking genannt. Vor dem letzten 24er in Berlin bin ich von Woltersorf über Erkner einmal um den Müggelsee gegangen. Ob die neue persönliche Bestleistung damit zusammenhängt, kann ich nicht vollkommen bestätigen. Doch wie kenne ich es aus meiner Fußballzeit, ändere kein erfolgreiches Team!

Die Straßen am Sonntagvormittag waren auffällig still, nur vereinzelt Verkehr und ohne das obligatorische Hupen. In Athen kann sonst ein Blinder fahren, bei Grün wird gehupt. Erstes Ziel war der Platz vor dem Parlament. Hier startet die Tram nach Glifada. Nun musste ich mich nur noch an ihrem Weg orientieren, dann werde ich auf gewundenen Wegen die Küste erreichen.

Syntagma

Tram nach Glifada

Vom Parlament fährt sie um den Nationalgarten herum und einige Kurven weiter nehme ich einen Blick zurück auf die Akropolis.

Trotz der warmen Temperaturen ist es wirklich manchmal so grün. Nur in der City fehlen Bäume. Hier gibt es ab und zu kleinere Parks, vereinzelnd einige größere gepflegte Grünflächen mit den allgegenwärtigen Skulpturen der Vergangenheit.

Ich folge weiter den Gleisen, um nur ein wenig später Gegenwart und Vergangenheit zu bestaunen. Der italienische Altmeister Pininfarina modellierte die Athener Straßenbahn der Neuzeit.

Hier unten rechts ist der blaue Schriftzug gut zu erkennen.

Mit zunehmender Dauer wurden die Häuser heller und freundlicher, die Wege besser. Es war erkennbar sauberer. Ein Park lud Kinder auf einen Spielplatz ein und die Wege waren belebt von vielen Läufern, welche bei zunehmenden Temperaturen tapfer ihre Kreise zogen. Einige Straßen weiter erblickte ich einen malerisch gelegenen Springbrunnen am Rande eines Parks.

Währenddessen zeigte die Uhr an der gegenüberliegenden Kirche deutlich die Zeit. Mehr als eine Stunde war ich unterwegs und es roch schon etwas nach Meer.

Doch die wellige Straße zog sich wie Gummi, die Kirche am Horizont flimmerte leicht. Mit Ihrem Erreichen erfreute ich mich kurz an einer Hochzeitsgesellschaft.

Nun waren es noch einige hundert Meter-nach etwas mehr als eineinhalb Stunden erreichte ich das Meer.

Die Schnellstraße führt an der Küste entlang von Piräus, am Olympiagelände von 2004 vorbei, dem ehemaligen Athener Flughafen über Glifada zum neuen modernen Airport von Athen. An der Küste entlang waren auf den Wege vereinzelnd Radlern, Skatern, Walkern, Läufern unterwegs und unzähligen Badegästen, welche abwechselnd die kleinen und großen Strände bevölkerten, nur unterbrochen von Hafenanlagen und einem noch genutztem ehemaligen Olympiagelände. Auf der Küste abgewandten Seite der Schnellstraße ist das gesamte olympische Gelände dem Verfall ausgesetzt.

Nach etwas weniger als drei Stunden erreichte ich Glifada. Die Rückseite des Hotel „London“ blinzelte durch die Palmen. Hier ist ab Mittwoch das Hauptquartier des Spartathlon. Mehr als 350 Läufer, darunter 10% Frauen aus 34 Ländern machen diesen Lauf zum größten Ultralauf der Welt.

Mein Wendepunkt war der Eisladen in Glifada. Hier haben viele der deutschen Teilnehmer vor und nach dem Spartathlonlauf die hausgemachten Köstlichkeiten genossen. Nur kurz verweilen und mit einem großen Schokoladeneis ging es auf den Heimweg.

Es war halb zwei und ich entschied mich den Weg an der Küste entlang, auch zurück zunehmen. So konnte ich die vielen schönen Bilder mit Blick auf das Meer noch einmal genießen. Als die Tram dann abbog auf ihrem Weg zum Syntagma, dem Griechischen Parlament, verweilte ich noch einige Kilometer an der Küste, um dann nach 15Uhr dankend einen Richtungshinweis nach Athen anzunehmen. Eine halbe Stunde später gingen die mitgeführten Wasservorräte zur Neige. Der Vorteil lag auf der Hand-der Rucksack war unheimlich leicht geworden! Auf der Hauptstraße ging es Richtung Innenstadt, an der Akropolis vorbei und entlang an den vielen gut besuchten Cafés, war ich nur noch 20 Minuten vom Hotel entfernt.

Ungefähr 6,5 Stunden , deutlich mehr als 40km Walken waren die Zahlen des Tages. Die vielen schönen Eindrücke hätte ich bei einem Lauf nicht so intensiv wahrnehmen können. Und beim Blick auf die Wetterprognose vom Freitag die richtige Einstimmung-wahrscheinlich 33°C und damit nochmal deutlich wärmer zum letzten Jahr!

Das war es erstmal mit meiner Walkerlaufbahn. Jetzt stehen noch drei kurze Läufe an in einem wunderschönen Park in der Nähe des Hotels. Und am Mittwoch treffe ich dann die Ultras der Welt.

Laufende Grüße aus Athen Stu

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